EFG Gienger Südwest KG

Normgerechte Baustromverteiler

Was muss beachtet werden, wenn eine vorübergehende Anlage auf Baustellen errichtet wird? Welche Änderungen werden nach Ende der Übergangsfrist Pflicht?

 

Anwendungsbereiche
Die Norm DIN VDE 0100-704 gilt für elektrische Anlagen, die für die Dauer von Bau- und Abbrucharbeiten errichtet und nach Ende der Arbeiten wieder außer Betrieb genommen werden. Darunter fallen beispielsweise:

  • Baustellen mit Bauarbeiten an neuen Gebäuden
  • Reparatur, Umbau, Erweiterung oder Abbruch vorhandener Bauwerke oder von Teilen vorhandener Bauwerke;
  • unter Bau- oder Projektleitung durchgeführte Arbeiten; Erdarbeiten

Die Anforderungen sind nicht anzuwenden für Anlagen in Verwaltungsräumen von Baustellen (z. B. Büros, Umkleiden, etc.).

 

Ablauf der Normänderung
Die aktuelle Norm wurde 2018 veröffentlicht.  Die Übergangsfrist endet am 18. Mai 2021. Alte Baustromverteiler dürfen nach Ortsveränderung nicht mehr verwendet werden. Es besteht Nachrüstpflicht oder ein neuer Verteiler muss eingesetzt werden.
Änderungen im Kurzüberblick:
     1. Einsatz von FI Typ B für gewisse Drehstromsteckdosen
     2. Einsatz einer Einrichtung zum Trennen der Einspeisung
     3. Schutz gegen Überspannungen
     4. Prüfung der Anlage

 

Anforderungen
Alle Baustromverteiler müssen über eine Einrichtung zum Trennen der Einspeisung verfügen, die

  • in der AUS-Stellung abschließbar (z. B. durch Vorhängeschloss) ist.
  • Von Laien bedienbar ist.

Zusätzlich kann die Einrichtung auch eine Schutzfunktion übernehmen. Für Anschlussverteiler sind im Bereich vor dem Zähler zudem Schmelzsicherungen nach Vorgaben des EVU zu setzen.

 

Absicherung der Steckdosenstromkreise
Für den Fehlerschutz von Steckdosenstromkreisen werden LS und FIs verwendet. Für Steckdosenstromkreise (z. B. SCHUKO, CEE) mit einem Bemessungsstrom ≤ 32 A müssen ein LS und ein FI mit max. 30 mA Bemessungsfehlerstrom eingesetzt werden. Für Steckdosenstromkreise >32 A müssen FIs mit einem Bemessungsfehlerstrom ≤ 500 mA in Kombination mit einem LS eingesetzt werden.
Welcher FI (RCD) muss eingesetzt werden?
Der einzusetzende FI-Typ richtet sich nach der Art der Steckdosen sowie der angeschlossenen Verbraucher:

  • SCHUKO-Steckdosen: mind. Typ A, besser Typ F, falls moderne Verbraucher mit einphasigen Frequenzumrichtern angeschlossen werden.
  • Drehstrom-Steckdosen (CEE) ≤ 63 A: Typ B
  • Drehstrom-Steckdosen (CEE) > 63 A: mind. Typ A, falls Verbraucher mit Frequenzumrichtern (z. B. Aufzüge, Kräne, Betonmischer) angeschlossen werden, sind FI Typ B einzusetzen.
  • Festangeschlossene, in der Hand gehaltene Betriebsmittel: mind. Typ A

Überspannungsschutz
Schwere Baumaschinen, wie Kräne, Aufzüge, Betonmischmaschinen oder ähnliche Geräte, können Schaltüberspannungen verursachen, die Geräte im Baustromverteiler oder daran angeschlossene Verbraucher beschädigen können. Falls solche Geräte verwendet werden, sollten SPDs verbaut werden. Zum Schutz gegen Schaltüberspannungen eignen sich SPDs Typ 2. Baukräne sind durch ihre Höhe anfällig für Blitzeinschläge. Hier ist der Einsatz eines Kombiableiters Typ 1 + 2 sinnvoll.