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Allstromsensitive Fehlerstromschutzschalter – Typ B und B +

22.01.2020

Allstromsensitive Fehlerstromschutzschalter – Typ B und B +

 
Fehlerstromschutzeinrichtungen des Typs B und B + erfassen sinusförmige Wechsel-, pulsierende Gleichfehlerströme, Fehlerströme mit Mischfrequenzen ungleich 50 Hz und glatte Gleichfehlerströme. Sie werden deshalb als allstromsensitiv bezeichnet.
Der Einsatz von allstromsensitiven Fehlerstromschutzschaltern ist überall dort sinnvoll, wo ein Schutz vor glatten Gleichfehlerströmen benötigt wird. Diese können entstehen, wenn getaktete elektronische Geräte zur Leistungssteuerung, z.B. Frequenzumrichter oder andere Stromrichter eingesetzt werden. Anwendungsbeispiele sind  Pumpenanlagen, Klima- und Lüftungsanlagen, Rolltreppen, Schweißanlagen, medizinische Geräte, USV- und Photovoltaikanlagen, Wärmepumpen, Fahrgeschäfte für Jahrmärkte, Kräne und viele Elektrogeräte für Baustellen.
Normativ betrachtet, unterscheiden sich Fehlerstromschutzeinrichtungen des Typs B und B + in ihrem Erfassungsbereich. Während ein Schalter des Typs B – laut Norm – bei Frequenzen bis 1 kHz Fehlerströme erfassen muss, soll eine Fehlerstromschutzeinrichtung des Typs B + auch noch bei Frequenzen bis 20 kHz  auf Fehlerströme mit einer Auslöseobergrenze von 420 mA ansprechen. 
Den Einsatz von allstromsensitiven Fehlerstromschutzschaltern fordern viele  Normen, Bestimmungen und Richtlinien. Entsprechende Hinweise finden sich in:
 
  • DIN VDE 0100-530: Errichten von Niederspannungsanlagen; Auswahl und Errichtung von Betriebsmitteln, Schalt- und Steuergeräten
  • DIN VDE 0100-704: Anforderungen von Betriebsstätten, Räumen und Anlagen besonderer Art – Baustellen
  • DIN VDE 0100-712: Anforderungen für Betriebsstätten, Räume und Anlagen besonderer Art: Solar-, Photovoltaik (PV)-Stromversorgungssysteme
  • DIN VDE 0100-722: Anforderungen für Betriebsstätten, Räume und Anlagen besonderer Art: Stromversorgung von Elektrofahrzeugen
  • DIN VDE 0100-723: Anforderungen für Betriebsstätten, Räume und Anlagen besonderer Art: Unterrichtsräume mit Experimentiereinrichtungen
  • DGUV Information 203-006 (BGI 608): Auswahl und Betrieb elektrischer Anlagen und Betriebsmittel auf Baustellen
  • DGUV Information 209-067 (BGI 5017): Ladeeinrichtungen für Fahrzeugbatterien
  • GDV-Publikation (VdS 3501): Isolationsschutz in elektrischen Anlagen mit elektronischen Betriebsmitteln – RCD und FU
Besonderheiten – Baustellen
Aktuell fördert die BG Bau die Nachrüstung von Baustromverteilern mit allstromsensitiven Fehlerstromschutzeinrichtungen. Ausführliche Informationen dazu bietet die Internetseite der BG Bau: https://www.bgbau.de/praev/arbeitsschutzpraemien/rcd_typ_b 
Die DIN VDE 0100-704 sieht vor, dass Drehstromsteckdosen bis 63 A immer mit allstromsensitiven Fehlerstromschutzeinrichtungen (RCD Typ B) geschützt werden müssen.
 
Besonderheiten – Spezialisierung
Die Betreiber elektrischer Anlagen stehen oft in dem Zwiespalt zwischen erwünschter hoher Anlagenverfügbarkeit und erforderlicher Sicherheit. Daher bietet sich der Einsatz speziell auf die jeweiligen Anforderungen zugeschnittener Fehlerstromschutzschalter an. Hersteller unterscheiden beispielsweise bei allstromsensitiven Fehlerstromschutzschaltern zwischen den Auslösekennlinien NK und SK.
Fehlerstromschutzeinrichtungen des Typs B NK sind für feuergefährdete Betriebsstätten optimiert. Sie gewährleisten den klassischen Brandschutz von 300 mA bei Frequenzen bis zu 150 kHz und übertreffen damit die Gerätenorm  für den Typ B+ bei Weitem.
Fehlerstromschutzschalter des Typs B SK erhöhen die Verfügbarkeit von Anlagen, in denen Brandschutz nicht gefordert ist. Die Auslösekennlinie SK ist  ebenfalls bis 150 kHz definiert. Schalter des Typs B SK zeichnen sich allerdings durch eine geringere Ansprechempfindlichkeit aus, so dass Fehlauslösungen durch z.B. betriebsbedingte Ableitströme deutlich minimiert werden. Auch sie sind mit ihren bis 150 kHz definierten Auslösefrequenzgängen ihrer Gerätenorm weit voraus.